Meine Gedanken zu eReadern

Eines vorneweg: Das hier ist kein Fachartikel. Kein Testbericht. Das sind nur die Gedanken, die ich mir in letzter Zeit so mache und die ich gerne zur Diskussion stellen würde. Also:

Warum überhaupt ein eReader? Ich habe gemerkt, dass viele Menschen – und vor allem Leseratten – angewidert das Gesicht verziehen, wenn sie statt eines Buches aus Pappe und Papier plötzlich ein elektronisches Gerät in der Hand halten sollen. Das lasse ich nicht gelten. Der eReader muss kein Ersatz des Buches sein, aber er kann eine nützliche Ergänzung sein. Und außerdem bin ich ein Technik-Fan, also hier schonmal 1:0 für den Reader. Außerdem sehe ich durchaus einige Vorteile: Zum einen kann ich mich nie entscheiden, welche Bücher ich auf Reisen mitnehmen soll – mit einem eReader könnte ich viele mitnehmen und müsste trotzdem nur 200 Gramm tragen. 2:0 für den Reader. Und letztlich: Ich lese vor allem englischsprachige Bücher – und die Taschenbücher sind oft grottig. Dunkelgraues Papier, zu eng bedruckt bis in den Falz, kein schönes Lese-Erlebnis. Da wäre mir ein Bildschirm wirklich lieber. 3:0 für den Reader.

Die Haptik: Stimmt, es hat schon was, ein Buch in der Hand zu halten. Vor allem ein Hardcover-Buch. Aber das kann auch ganz schön mühsam sein, vor allem bei dicken Schinken. 4:0 für den Reader. Wobei es Unterschiede gibt: Im direkten Vergleich finde ich zum Beispiel das Alugehäuse des Sony eReader viel angenehmer als das Hartplastik-Gehäuse der anderen Hersteller.

Die Auswahl: Der große Knackpunkt. Nichts übertrifft derzeit die Auswahl an Titeln in einem Buchladen oder im Online-Buchhandel. Es werden so viele Bücher auf den Markt geschleudert, dass sie ohnehin kein Mensch lesen kann. Dagegen sucht man in den meisten eBook-Stores vergeblich nach großen Namen. Ich habe mal den Test gemacht und Namen wie Stephen King, John Steinbeck, Nick Hornby und Paul Auster eingegeben – erschreckende Ergebnisse! Bei eBooks ist es also noch so, dass man eher schaut, was es gibt und sich daraus dann was aussucht, anstatt dass man was bestimmtes gerne lesen würde und das dann gezielt kauft. Schade, aber das ändert sich hoffentlich noch. Und: So sehr sich alle gegen das geschlossene System des Amazon Kindle wehren – ich habe im dortigen Store am meisten gefunden, was mich interessieren würde. Bei Thalia oder Libri und so weiter war die Auswahl für meinen Geschmack eher mau. 4:1 für den Reader.

Der Preis: Zunächst mal muss ein Reader her, das ist klar. Die kosten derzeit so an die 200 Euro mindestens (169 der Sony Pocket, ähnlicher Preis der aus USA importierte neue kleine Kindle). Dann kommen die Bücher – und da finde ich die eBooks nach wie vor zu teuer. 19,90 Euro kostet ein Hardcover-Buch, also mitsamt Herstellung und vor allem der Möglichkeit, es nach dem Lesen wieder zu verkaufen. eBooks liegen gar nicht so weit drunter, wie man meinen möchte. Ich wäre bereit, bis zu 12 Euro für ein eBook zu bezahlen – mehr nicht. Immerhin fallen Druckkosten, Materialkosten und Vertrieb weg! 4:2 für den Reader.

Die Buchbeschaffung: Richtige Bücher bekommt man fast überall – im Laden, im Bahnhofkiosk, online. Sie werden portofrei zugeschickt. Nachteil: Man muss warten. eBooks lädt man sich runter, das geht in der Regel ganz schnell. Wenn man einen Computer hat – oder einen Reader mit WLan oder anderer Internetverbindung. Da würde ich also den Punkt eher noch dem Reader geben – bei dem hat man nach einigen Sekunden das, was man will, vor sich. Auch nachts und in anderen Ländern. 5:2 für den Reader.

Verleihen und verkaufen: Gelesene Bücher kann man weiterverleihen oder verkaufen oder verschenken. eBooks in der Regel nicht. Wobei immer mehr Stadtbüchereien dazu übergehen, eine online-Ausleihe einzuführen. Bis das System ausgereift ist, 5:3 für den Reader.

Formate: Ein Buch gibt es im Hardcover und broschiert, fertig. Bei den eBooks muss man sich durch verschiedene Formate durchwursteln. Amazon hat sein eigenes Kindle-Format, in Europa ist das ePub verbreitet, dann noch das gängige PDF und so weiter und so fort. Und keine weiß, wie es in Zukunft weitergeht. Daher kann es sein, dass man beim Kauf eines Readers genau auf das falsche Pferd setzt – und der Reader beispielsweise keine DOCs anzeigen kann oder keine Grafiken. 5:4 für den Reader.

Fazit: Es ist fast unentschieden. Aber ein Punkt kommt noch hinzu: Der “Ich-will”-Faktor. Ich will einen Reader. Einfach mal um zu sehen, ob ich ihn nutze und bei welchen Gelegenheiten er Sinn macht. Und weil ich eventuell selber Bücher als eBooks erstellen möchte. Das echte Buch wird er bei mir nicht ersetzen, und ich finde auch es ist schöner, ein Buch zu verschenken als einen Gutschein für ein eBook. Aber die neue Technologie ist toll, und daher ist nur noch die Frage: Kindle oder Sony? Die anderen machen mich alle nicht an, und das iPad ist kein e-Ink-Gerät, also keine Alternative für mich (und immer noch zu teuer!!!). Eines von diesen beiden wird’s also werden (wobei der Vorteil ist, dass ich den Sony-Reader schonmal anfassen konnte, den Kindle müsste ich im Sack kaufen…)

Sony Pocket eReader

Amazon Kindle (gerade ausverkauft!)

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7 Reaktionen zu “Meine Gedanken zu eReadern”

  1. 1 Ralph

    Ich hab noch keinen, aber der große Pluspunkt wäre für mich, dass ich die vielen PDFs, die ich mir ständig aus dem Internet runterlade, endlich nicht mehr an einem Computerbildschirm lesen muss (da hab ich eh nicht die Ruhe, lange Texte zu lesen). Noch konnte mir aber niemand verraten, ob und wie einfach es möglich ist, PDFs vom Computer auf den Kindle (z.B.) zu laden. Vielleicht kannst Du das ja, wenn Du Deinen erst mal hast ;-)

  2. 2 Holgerbaer

    Falls du eventuell noch Kontakt zu Timo Hetzel hast, dann könntest du dir bei Hessi von BuS mal seinen Kindle ansehen.

  3. 3 Benjamin

    Vorweg: ich bin großer e-book-Reader Fan und habe hier vor mir liegen: Kindle DX (der große), Sony PRS-505, Sony PRS-600 (Touch Edition), iRex iLiad, Barnes&Noble Nook, Onyx Boox, iPad.

    Zu den Pros und Contras zu eBooks im Allgemeinen hat Annik Recht. Jeder muss wissen ob es etwas für ihn ist, ob er auf diese Art lesen möchte und ob ein eBook-Reader ein Papierbuch ersetzen soll oder kann.

    Annik schrieb sie liest vor allem englische Bücher. Daher würde ich mich an ihrer Stelle nicht von dem proprietärem Format des Kindles abschrecken lassen. Ich finde es zwar nicht toll, dass sie kein offenes (ePub) Format einsetzen und es hat auch Nachteile, aber wir haben auch bei Apple Musik gekauft als man sie nur auf dem iPod spielen konnte. Aus Nutzersicht ist für englische Bücher Amazon derzeit der Anbieter mit dem größtem Angebot und halbwegs guten Preisen. Natürlich bindet man sich für immer und ewig an den Kindle wenn man heute beginnt eine Bibliothek mit Büchern von dort aufzubauen (oder man begreift elektronische Bücher als „Wegwerfartikel“ die man nicht ein zweites Mal lesen möchte). Alle deutschen Verlage haben den Markt verschlafen und die Buchhandlungen auch. Es gibt kaum deutsche Inhalte und wenn dann zu völlig überzogenen Preisen.

    Ich lese übrigens auch vieles auf dem Reader, was gar nicht als e-Book gilt: RSS-Feeds, längere Webseiten usw. Ich finde es sehr entspannend auf dem ePaper-Display auf dem Sofa zu lesen statt am Laptop; und auch das iPad-Display kommt da nicht annähernd heran.

    PDFs machen auf einem kleinen eBook-Reader nur bedingt Spaß. Da man nicht sinnvoll Zoomen kann, muss man ständig von links nach rechts scrollen um etwas sehen zu können. Auf dem Kindle DX (10“ Display) kann man allerdings sehr sehr gut PDFs lesen.

    Nun auch zu Anniks Frage bezüglich Kindle oder Sony: Ich würde zum Kindle raten, wenn du dich damit abfinden kannst, dass du bei Amazon einkaufen musst, dann ist es das einfachere System und die Hardware ist viel besser. Der Sony-Pocket-Edition hat ein durchschnittliches Display (der Sony-Touch-Edition hat das schlechteste Display das ich je gesehen habe) und der Kindle ist absoluter Stand der Dinge (ich meine hier das Display des DX, welches aber auch im Kindle 3 eingebaut sein wird).

    Übrigens, man kann sowohl epubs (wenn sie DRM-Frei sind) als auch Word und andere Dokumenten so konvertieren, dass sie auf einem Kindle gelesen werden können.

    Ich hoffe ich habe dem einen oder anderem geholfen
    Benjamin

  4. 4 Matthias

    Ich habe mich auch für den Kindle 3 entschieden. Bei den Geräten mit 6″-Display hat der Kindle meiner Meinung nach derzeit mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie Benjamin schon schrieb, hat der Kindle 3 als Display die nächste E Ink Generation Pearl bekommen, wo der Text nochmal deutlich schwärzer dargestellt wird als bisher. Dass man sich beim DRM auf Amazon festlegt, ist natürlich schade. Als Autor bzw. Verlag kann man bei Amazon aber selbst entscheiden, ob DRM zur Anwendung kommen soll oder nicht. Von daher habe ich noch Hoffnung auf Besserung.

    Ich denke auch, dass das Lesen von PDF-Dokumenten nur mit einem größeren Display Spaß macht, möglich ist es aber auch beim kleinen Kindle ohne vorher irgendeine Formatumwandlung vornehmen zu müssen.

  5. 5 annik

    Also das mit der Festlegung auf Amazon finde ich zwar prinzipiell blöd, aber ich kann gut damit leben. Ich kaufe meine “echten” Bücher auch zu 95% bei Amazon und mag den Store und seine Wunschzettel-Funktion. Und das Archivieren fällt bei mir ohnehin flach: Ich verkaufe oder verschenke alle gelesenen Bücher – sie sollen raus in die Welt und neue Leser finden!

  6. 6 MatthiasE

    Unter die Lupe genommen taugt das iPad nicht zum Lesen, da Schwarz dort ja eigentlich bunt und pixelig dargestellt wird.

    http://www.bit-101.com/blog/?p=2722

    LG

  7. 7 Holger

    @Annik
    Ich würde den Kindle nehmen, das Angebot ist größer und Amazon hat da eine hervorragende Infrastruktur.

    @MatthiasE
    Falsch. Ich bin empfindlich beim Lesen am Bildschirm und es geht am iPad dennoch hervorragend. Ich hab meinen ersten 400 Seiten Schmöker unlängst fertiggelesen und es am iPad genossen. Nicht zuletzt weil am Abend im Bett endlich nicht mehr das Buch in Richtung Licht gedreht werden mußte.
    Einziger Nachteil: Bei direktem Sonnenlicht hat eInk definitiv einen Vorteil.

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