Steve Jobs? Ruhe bitte!
Ich bin gerade geschockt. Wegen Steve Jobs. Nein, nicht weil er tot ist. Sondern weil ich die zahllosen Nachrufe auf Twitter, Facebook und in Blogs lese. Und weil er da so wahnsinnig verherrlicht wird. Gut, man spricht nicht schlecht über die Toten. Und natürlich finde ich es auch schade, dass er tot ist. Weil er früher starb, als er hätte sterben müssen. Das fänd’ ich bei fast jedem Menschen schade. Aber Leute, muss man ihn gleich so “in den Himmel loben” (no pun intended)? Steve Jobs war mit Sicherheit ein guter Geschäftsmann, sonst wäre er nicht da gelandet, wo er war. Aber er war kein guter Mensch. Kein Mensch, dem man nacheifern sollte. Er hat Ideen als seine eigenen ausgegeben, die nicht seine waren. Er war ein Egomane und Choleriker, der eine furchtbare Atmosphäre am Arbeitsplatz geschaffen hat. Klar, wer Angst verbreitet, bekommt Ergebnisse. Aber ich finde das nicht anbetungswürdig. Und, was ich am schlimmsten finde: Er hat seine eigene Tochter lange Jahre verleugnet, trotz Vaterschaftstest, und keinen Unterhalt gezahlt, sondern sie von Sozialhilfe leben lassen. Das ist kein Klatsch, das ging sogar vor Gericht. Guru Steve? Nein.
Ich weiß, Ihr Apple-Fanboys und -girls da draußen wollt jetzt Kommentare schreiben. Aber ich will hier keine Diskussion. Heute nicht. Ich selber habe hier iMac, iPod, iPhone und sonstige i-Dinger liegen und mag die Produkte der Firma Apple seit vielen Jahren (seit dem Shell-iBook). Ich verstehe nur nicht diese Emotionalisierung der Produkte und des selbsternannten Schöpfers. Als ich vorhin ähnliches bei Twitter gepostet habe kam gleich: Kein Mensch ist perfekt. Nein, natürlich nicht. Aber gerade wenn man Macht und Geld hat(te) – so wie Steve – dann könnte man diese Möglichkeit nutzen, um Gutes zu tun. Gibt es eine Steve-Jobs-Stiftung, die sich um junge Programmier-Talente in Entwicklungsländern bemüht oder ähnliches? Nicht dass ich wüsste.
Nein, ich bin kein Steve-Jobs-Biograf. Ich kannte ihn nicht persönlich. Ich kenne nicht jeden Winkel seiner Persönlichkeit. Vielleicht war er tief drinnen der Gute, der Unverstandene. Ich habe Bücher über ihn gelesen und gehört, und ich habe einen guten Film gesehen, der die Entstehungsgeschichte von Apple zeigte. Das ist alles. Natürlich dürft Ihr erschrocken sein über Jobs’ Tod. Seht seine Erfolge – aber seht auch, dass er vieles hätte besser machen können.
Wenn er der einzige Visionär der Firma Apple war, dann würde diese ab heute den Bach runtergehen. Das mag ich nicht so recht glauben… Also: RIP Steve Jobs. Mein iGod bist Du nicht.





Eigentlich bin ich freie Journalistin. 2005 begann ich diesen Podcast hier zu machen - er hat sich immer mit mir gewandelt und verändert. Derzeit ist es eher ein Blog - ich schreibe momentan lieber als dass ich rede. Mehr zu mir gibt es 