Archiv der Kategorie "Annikdoten"

Back to analog!

Ich bin jetzt offiziell alt, denn ich muss jetzt mal den Satz schreiben: Früher war alles besser. Früher hatte ich ein Filofax (wunderschön, blau…), ein paar Post-Its am Computermonitor kleben und einen Monatskalender auf dem Tisch liegen. Das war genug. Heute habe ich Apps und Docs und sonstigen Kram und weniger Durchblick denn je. Nachdem ich jetzt jahrelang versucht habe, mich immer wieder neu zu organisieren, um Licht ins Chaos zu bringen, kam mir nun endlich die zündende Idee: Zurück zu den Wurzeln! Also habe ich mir als Erstes einen Wochenkalender aus grünem Tonpapier gebastelt, der mit Post-Its beklebt werden kann:

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Und dann habe ich mir im Internet einen Monatskalender ausgedruckt, in den ich jetzt brav mit verschiedenen Farben die verschiedensten Blog-Artikel eintragen kann. So sehe ich auf einen Blick, wie oft ich wo poste und wo mal wieder was getan werden müsste. Dazu müsste ich im Smartphone eine App aufrufen, durch einige Bildschirme navigieren und Zahlen vergleichen. Pustekuchen. Geht analog ganz einfach:

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Und um endlich mal zu verstehen, wie meine ganzen Aktivitäten aufgebaut sind, habe ich Mindmaps erstellt. Zugegeben am Rechner, weil ich grafisch nicht sehr begabt bin und das so übersichtlicher und leichter zu ändern ist. Aber auch das erleichtert vieles. Endlich mal aufschreiben, dokumentieren, was da alles zusammenhängt. Wo wird das Backup gemacht, welches Plugin sorgt für automatische Betwitterung und so weiter.

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe die digitale Welt. Aber was meines Erachtens immer noch nicht funktioniert, ist eine mobile, übersichtliche Art der Taskverwaltung. Aber vielleicht muss die auch gar nicht funktionieren. Ich notiere mir jetzt digital weiterhin meine Termine, das klappt wunderbar, und ich schreibe mir in den “Erinnerungen” des iPhone auf, was ich noch besorgen muss. Alles andere ist und bleibt jetzt erstmal analog. Bis ich in einigen Monaten den Rappel kriege und mir denke: Neee, so ist das nichts. Ach übrigens: Anstatt ständig zu organisieren und To-Do-Listen zu schreiben sollte man (und ich nehme mich da nicht aus, im Gegenteil) einfach mal anfangen, Dinge zu erledigen. Die meisten fallen einem nämlich auch ohne To-Do-Liste ein. Mir gerade auch. Und weil ich mich vor diesen wichtigen Dingen drücke, schreibe ich diesen Beitrag… Aber das ist ein anderes Thema.

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Mein neues Team!

Seit gut acht Jahren bin ich im Internet zu Hause. Beruflich wie privat. Es hat mir neue Welten eröffnet, viele Möglichkeiten gegeben, viel Neues beigebracht. Mittlerweile kenne ich meine “Sinuskurve” ganz gut. Ich entdecke etwas Neues, bin euphorisch, investiere viel Zeit und Kreativität. Dann kommt die Phase der Langeweile: Etwas Neues muss her. Dann die Frustration: Ich finde nichts Neues. Und es wird immer schwerer, die Anfangs-Euphorie zu spüren. Hat ein bißchen was von Drogenkonsum, wobei ich davon ehrlich gesagt wirklich nur theoretische Ahnung habe.

Vor acht Jahren war für mich Podcasting die große Entdeckung. Radio selber zu machen im Internet – wie fantastisch! Jetzt, acht Jahre später, ist es normal geworden. Gut, spannend ist es noch, wenn ich live podcaste. Das fühlt sich definitiv anders an. Die große Neuentdeckung für mich ist allerdings eine andere: Während die vergangenen Jahre davon geprägt waren, dass ich endlich alleine ohne Chefs und Kollegen etwas “schaffen” konnte, suche ich jetzt genau das Gegenteil: Das Miteinander. Diese neue Entwicklung steckt bei mir noch in den Kinderschuhen, aber sie erfüllt mich.

Es begann mit Albert. Albert ist ein treuer SiM-Hörer und mailt mir manchmal seine grandiosen Ideen. Ihr konntet ihn auch schon bei SiM hören, da hat er über das Energiesparen gesprochen. Albert jedenfalls hat mir einen sehr netten Tritt in den Hintern gegeben, was mein Podcast-Verzeichnis 99 Podcasts angeht. Das hatte ich sträflich vernachlässigt. Also haben wir eine Lösung gefunden: Albert wurde zum “Mitarbeiter” der Seite und hat alle Links gecheckt, inaktive Podcasts rausgenommen, neue hinzugefügt. Und seit ich weiß, dass wir gemeinsam daran arbeiten, macht es auch mir wieder Spaß.

Genau diesen Aha-Effekt habe ich auch in den Kinderwahnsinn getragen. Dort war Maria die Initialzündung. Sie ist ebenfalls junge Mutter und hatte Themenvorschläge gemacht – und ich dachte mir einfach: Soll sie doch selber schreiben, kann sie eh viel besser. Dann kamen meine Freundinnen Alexandra und Jasmin dazu. Der Vorteil: Auf dieser Seite soll es um die Erfahrungen von Eltern gehen. Ich habe einen Sohn. Ich kann nichts schreiben über Geschwister, über Teenager, über Mädchen. Also ist es doch wunderbar, wenn immer mehr Leute auf dieser Seite von ihren Erfahrungen schreiben. Nicht wie in einem Forum, aber eben als Gemeinschafts-Blog. Und sie werden natürlich an den Gewinnen beteiligt werden, sobald es mal welche gibt. Falls Ihr mitmachen wollt im “Team Annik” – meldet Euch! Derzeit suche ich vor allem Eltern von Teenagern…

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Mein persönlicher Nachrichten-Boykott

Keine Generation hatte bisher solch einen guten Zugang zu Informationen aus der ganzen Welt. Mittlerweile ist es selbstverständlich, über die amerikanische Innenpolitik genauso Bescheid wissen zu können wie darüber, welche Urvölker noch nie Kontakt mit der Zivilisation hatten und jetzt gerade entdeckt wurden. Wir sehen spektakuläre Helikopterbilder von Verfolgungsjagden, wir sehen Videos von in die Tiefe gestürzten Reisebussen, sind ganz nah dran wenn Fliegerbomben gefunden werden und natürlich bekommen wir auch die Rundum-Berichte über Attentate oder Amokläufe.
Ich selber bin Journalistin (ob ich das wirklich noch bin – dazu ein andermal mehr), mein Geschäft sollten eigentlich auch die Nachrichten sein. Und dennoch lehne ich sie immer mehr ab. Vieles will ich nicht wissen. Das laut zu sagen – oder hier zu schreiben – kostet mich Überwindung, denn schnell steht man dann als Ignorant da. Aber ich traue mich trotzdem: Es interessiert mich nicht.
TVEs gibt zwei Hauptgründe. Auch hier ist das “Grundübel” wieder die Flut an Inhalten. Natürlich will ich wissen, wenn sich in Deutschland innenpolitisch etwas tut. Vor allem, wenn es mich selbst oder unsere Zukunft betrifft. Natürlich will ich auch international wissen, was politisch gerade los ist und welche Strömungen es gibt. Ich will die großen Zusammenhänge. Ich will all das, was mir hilft, die Welt zu verstehen. Alles andere: Weg damit. Auch wenn die Nachrichtensendung eigentlich 15 Minuten dauern sollte – oder 30 oder wie auch immer – ich will sie nicht bis in die letzte Sekunde vollgestopft haben mit so vielen Neuigkeiten wie möglich. Liebe Nachrichtenmacher – nehmt Euch doch lieber Zeit, die wichtigsten Nachrichten zu erklären! Hintergründe aufzuzeigen! Uwe Baltner hat in “Nettes Frettchen” vorgeschlagen, den Brennpunkt in der ARD dazu zu nutzen, sich auf ein Thema der Nachrichten zu konzentrieren und dieses zu erklären. Eine wunderbare Idee. Und ein Zeichen dafür, dass auch andere Menschen ähnlich denken wie ich: Die Nachrichtensendungen bringen nichts.
Der zweite Grund: Vor allem wenn es um Schicksale geht, also um Unfälle, Attentate, Amokläufe und so weiter, geht es meines Erachtens nicht mehr um die Vermittlung von Nachrichten. Es geht um eine hysterische Emotionalisierung. Ich möchte wenn dann bitte sachlich informiert werden: Ort, Zeit, W-Fragen eben. Wie im Videotext. Kurz und knapp. Das reicht. Ich möchte keine Bilder sehen von Opfern mit Blut an der Stirn. Ich möchte nicht sehen, wie schwer verletzte Kinder in den Armen ihrer Eltern liegen. Ich möchte keine trauernden Überlebenden sehen. Ich möchte nicht wissen, was die Witwe zu sagen hat. Nicht nur, weil es mich traurig macht – sondern weil ich finde, dass es mich (und Euch!) nichts angeht. Das sind alles höchst private und lebensverändernde Augenblicke für die Beteiligten – und wir schauen mampfend zu. Das möchte ich nicht. Das hat aber für mich auch nichts mehr mit Nachrichten zu tun.
Früher gab es da zumindest meiner Erinnerung nach einen deutlichen Unterschied zwischen Privatfernsehen und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Heute sehe ich diesen kaum noch. Ich habe auch Verständnis für die Kollegen: Zum geschriebenen Text müssen nunmal Bilder gezeigt werden, das hat das Fernsehen so an sich. Und die “besten Bilder” sind nunmal die, bei denen die Kamera nah dran war am Geschehen. Dennoch: Ich verweigere mich. Ich schalte ab. Ich informiere mich über andere Kanäle – über die wirklichen Nachrichten. Alles andere ist für mich ein Sich-Weiden am Unglück anderer. Schluss damit.

Nachtrag: @radiomachen hat mir diesen lesenswerten Artikel zum gleichen Thema empfohlen.

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