Archiv der Kategorie "Filmtipp"

SiM #599 – Am Limit mit Joschka

Heute zwei Filmtipps, beides Dokumentationen von Pepe Danquart. Einmal der Film über die Extremkletterer “Huber-Buam”: Am Limit (hier bei Amazon, hier bei Lovefilm – Gutscheincode SiM). Und dann der Film “Joschka und Herr Fischer”. Beide sehr gelungen, wie ich finde.

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Filmtipp: Frost/Nixon

Ich hatte ihn leider im Kino verpasst – jetzt aber endlich auf DVD angeschaut (Ihr wisst ja: Gutscheincode SIM, dann 4 Wochen kostenlos DVDs schauen). Den Film über das legendäre Fernsehinterview zwischen Ex-US-Präsident Nixon und Großbritannien-Moderator Frost. Die Zeit: Kurz nach der Watergate-Affäre, nach Nixons Rücktritt, nach seiner großen Niederlage. Nixon möchte sich durch das Interview ins Herz des amerikanischen Volkes zurückschummeln, eventuell auch wieder zurück in die Politik. Frost möchte von ihm die ganze Wahrheit und damit einen Coup – Nixon soll sich für das entschuldigen, was er getan hat und zugeben, dass es unrecht – sogar illegal – war. Der Film ist relativ statisch – immerhin geht es um zwei Personen, die sich vor Kameras gegenübersitzen und reden. Aber er ist so spannend inszeniert und gut besetzt, dass das gar nicht stört. Im Gegenteil. Man hat das Gefühl, als wäre das Interview ein Boxkampf in mehreren Runden – mal führt der eine, mal der andere. Wer letztlich gewinnt, wird hier nicht verraten.

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Filmfest München 2010

Und schon ist es wieder vorbei. Bei hochsommerlichen Temperaturen (ich wünsche mir nach wie vor ein Filmfest im November!) jeden Tag ab ins runtergekühlte CinemaxX – nachdem das Forum am Deutschen Museum dicht gemacht hat. Wie immer erstaunt hat mich, dass ich fast unüberlegt in Filme gelaufen bin – und alle waren fantastisch. Kompliment an das Team des Filmfestes, das ist wirklich eine Leistung. Übrigens gab es bei Bayern2 eine gute Reportage über “Hinter den Kulissen” des Filmfestes, hier zu hören:

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Hier wie im vergangenen Jahr auch meine Kurzzusammenfassung der Filme, die ich gesehen habe:

Michael MittermeierThis Prison Where I Live: Dokumentarfilm mit Comedian Michael Mittermeier. In Burma (Myanmar) sitzt ein Komiker in Haft. Für 59 Jahre zunächst, dann verkürzt auf “nur” 33. Wegen politisch-kritischer Bemerkungen, die sich an die Militärdiktatur richteten. Vor drei Jahren wurde dieser Komiker namens Zarganar (Pinzette) noch vom britischen Filmemacher Rex Bloomstein interviewt – und aus diesem Material entstand der erste Teil der Doku. Im zweiten Teil reist Michael Mittermeier mit dem Team nach Burma und wandelt auf den Spuren des charismatischen und humorvollen Inhaftierten. Auch wenn es mich mehr gefreut hätte, Mittermeier in Deutsch zu hören (gerade in emotionalen Momenten fehlt ihm in der englischen Sprache einfach das richtige Wort), geht die Doku sehr nahe – und macht darauf aufmerksam, wie es in anderen Ländern um die Meinungsfreiheit steht. Und wie gut wir es eigentlich haben. Wichtig ist, auf diesen Fall aufmerksam zu machen – näheres unter freezarganar.de. Mittermeier und Bloomstein waren übrigens in München mit dabei und standen nach dem Film Rede und Antwort.

TetroTetro: Der neue Film von Francis Ford Coppola, diesmal ohne große Studiounterstützung realisiert, in Eigenfinanzierung. Der erste Film von Coppola nach 1974, bei dem er auch das Originaldrehbuch schrieb – angeblich mit autobiographischen Zügen. Es geht um den 17-jährigen Bennie, der sich auf die Suche nach seinem älteren Bruder in Buenos Aires macht. Der hat sich dereinst abgesetzt und will mit der Familie nichts mehr zu tun haben – vor allem nicht mehr mit dem egozentrischen und überaus erfolgreichen Vater (gespielt von Klaus Maria Brandauer). Der Film ist in schwarz-weiß gedreht, nur einzelne Rückblicke sind in Farbe. Allein das schon ein wirkungsvoller Effekt. Dazu noch brilliante Schauspieler, allen voran Vincent Gallo (der unglaubliche Ähnlichkeit zu Bela B. von den Ärzten hat) als älterer Bruder Tetro. Dann noch viele spanische Dialogteile, ohne Untertitel in dieser Fassung. Mir hat der Film sehr gut gefallen, ein Drama um Familie, Liebe und Gefühle. Ein Meisterwerk.

BaliboBalibo: Und noch mehr Schwerverdauliches. Mitte der 70er-Jahre machten sich fünf australische Journalisten auf dem Weg nach Osttimor. Dort wollten sie über die Invasion durch indonesische Truppen berichten. Sie kehrten nie zurück. Ein weiterer Journalist macht sich auf die Suche – und erlebt Schreckliches. Die Kamera ist ihm bei seiner Recherche dicht auf den Füßen. Auch wenn Balibo ein Spielfilm ist, beruht er auf einer wahren Geschichte. Und die zeigt mal wieder, wie erschreckend wenig man vom anderen Ende der Welt eigentlich weiß. Hier eine Rüge an das CineMaxX: Als der Abspann gerade lief kam ein anzugtragender Wichtigtuer mit Knopf im Ohr rein und flötete ein fröhliches: “Bitte mal den Saal freimachen!”. Das geht gar nicht!!! Sonst war das CineMaxX-Personal extrem freundlich, wie ich finde, und man durfte endlich auch mal eine “kleine” Cola trinken (0,5 Liter gibt’s sonst nur für Kinder)…

BrothersBrothers: Remake eines dänischen Filmes. Es geht um zwei Brüder – einen Loser (Jake Gyllenhaal) und einen Winner (Tobey Maguire). Der Winner ist beim Militär, hat eine bildschöne Frau (Natalie Portman) und zwei Kinder. Der Loser kommt gerade aus dem Gefängnis. Spannung gibt es also eigentlich schon genug, vor allem weil der trinkende Vater die Jungs immer wieder an ihre Rollen erinnert. Dann wird der Winner aber nach Afghanistan geschickt – und nach einem Hubschrauber-Abschuss für tot erklärt. Der Loser übernimmt seinen Platz – kümmert sich um die Familie, wird verantwortungsbewusst und liebenswert. Doch dann taucht der “Tote” wieder auf und alles läuft aus dem Ruder. Eine sehr realistische Geschichte, wie ich glaube: Man kann nur ahnen, wie viele Männer kaputt aus dem Krieg heimkehren und sich nicht mehr eingliedern können. Erstaunlich gut gespielt von Maguire, dem ich ehrlich gesagt noch nie was zugetraut habe. Meiner Meinung nach ein Oscarkandidat.

Das letzte SchweigenDas letzte Schweigen: Ein deutscher Spielfilm mit Wotan Wilke Möhring in einer der Hauptrollen. Hier gab’s leider eine Tonpanne – so dass wir die ersten 10 Minuten zwei Mal sehen mussten. Mussten deswegen, weil gerade hier eine schreckliche Szene vorkommt – ein kleines Mädchen wird vergewaltigt und getötet. Genau darum geht es: Um Pädophilie. Darum, dass die Täter auch Opfer sind. Darum, dass sie das Leben der Kinder und ihrer Familien zerstören. Für immer. 23 Jahre später geschieht an der identischen Stelle ein fast identischer Mordfall – die Polizei ermittelt auf Hochtouren. Und nur wir Zuschauer wissen, wie es wirklich war. Ein Film mit beeindruckenden Bildern, ohne Zeigefinger, dennoch mit viel “Message” und vor allem ein Film, der mit wenigen Worten unendlich viel sagt.

The People vs. George LucasThe People vs. George Lucas: Schon aufgefallen, dass alle Filme bis jetzt Tragödien waren? Als Abschluss hatte ich mir zum Glück noch etwas lustigeres augesucht, und zwar diesen Dokumentarfilm. Filmemacher Alexandre O. Philippe (anwesend) hat 3,5 Jahre lang daran gearbeitet, und über 600 Stunden Material gesichtet. Entstanden ist ein 90-minütiger Film, in dem es vor allem um den Fankult rund um “Star Wars” geht. Gezeigt werden Dutzende von Interviews, dazu noch Fan-Filme, nachgestellte Szenen und ähnliches. Hauptdiskussionspunkte: Ist George Lucas total abgehoben? Und: Darf er seine Filme von damals in einer (auch inhaltlich) bearbeiteten Fassung unters Volk bringen? Und vor allem: Gibt es einen Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Star Wars-Generation? Ein Film, das häufig zum Schmunzeln, hin und wieder zum Nachdenken und vor allem zum Kopfschütteln einlädt, angesichts der über-enthusiastischen Fans. Was für ein genialer Schachzug des Filmemachers: Alle Fans müssen in diesen Film rennen!

Fazit: Ein tolles Filmfest. Ein blöder Zeitpunkt (heißeste Woche des Jahres plus Fußball-WM).

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