Ich habe das Denken verlernt

Gut, ganz so schlimm ist es (noch) nicht. Aber dennoch habe ich das Gefühl, dass ich weniger denke als früher. Geht’s Euch auch so? Der Hauptgrund ist, glaube ich, dass ich selten alleine in meinem Kopf bin. Meistens ist noch jemand dabei. Und jetzt bitte nicht den Psychiater rufen. Die Stimmen, die ich höre, sind ganz normale Stimmen aus meinem iPod-Kopfhörer. Aber es ist doch so: Wenn ich das Haus verlasse, um S-Bahn zu fahren, Einkaufen zu gehen, sonstwas langweiliges zu machen, höre ich Podcasts. Oder ich telefoniere mit dem Handy. Die Zeit wird “genutzt” – so kommt es mir zumindest meistens vor.

Wenn ich aber darüber nachdenke (ich denke also doch noch, puh, Glück gehabt), dann ist jede Sekunde vollgestopft mit Inhalten. Was fehlt, sind die Leerlauf-Zeiten. Die Zeiten, in denen der Kopf gar nichts zu tun hat. In denen die Augen starr am Bahnhof auf eine graue Wand gerichtet sind und sich die Langeweile breit macht. Denn in diesen Momenten sind mir früher die besten Ideen gekommen. Und diese Ideen fehlen mir heute sehr.

Genauso die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Das große Weltgeschehen auf einen kleinen Nenner zu bringen. Ich hätte selber nicht gedacht, dass ich das mal sagen werde – aber in der Schulzeit ging das alles besser. Da war das Nachdenk-Gehirn gut geschult (im wahrsten Sinne des Wortes), der Muskel sozusagen warm, da flutschte das irgendwie. Mittlerweile ist das Gehirn nur noch für blöden Kram im Einsatz, nicht mehr für die wirklich wichtigen Fragen.

Ich bin zwar produktiv, ich bin gut organisiert mit meinen To-Do-Listen, ich pflege meine sozialen Kontakte und kriege das alles ganz gut auf die Reihe – aber mein Kopf braucht seine Langeweile zurück. Und die werde ich mir irgendwie wieder einrichten. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder sogar Lösungen? Her damit!

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SiM war in Zagreb

SIM_ZagrebMein Stammhörer Dzenan war mal wieder unterwegs und hat mir diese netten Zeilen geschickt: “SIM war im Zagreb und hier sind wir im Zentrum (also nicht Stadtzentrum, sondern das genaue Zentrum von der Stadt auf der Karte Zagrebs). Dort ist ein Turm mit einer Kanone (http://en.wikipedia.org/wiki/Lotr%C5%A1%C4%8Dak_Tower), die jeden Tag um Punkt 12 abgefeuert wird (natürlich ohne eine Kugel im Lager, ist aber doch echt laut – so laut, dass ich mein Miethandy fallen lassen hatte und einen Teil meiner hinterlegten Kaution nicht bekommen hatte, wegen verursachten Schäden). War aber doch echt cool und für all die, die dort hingehen: Es gibt Treppen, aber auch eine kleine Gondel, die ca. 20 Sekunden hochfährt und die um die 2,80 EUR kostet. Und haltet Eure technischen Lieblinge fest, wenn Ihr Euch dort vor 12 befindet!”

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Das ganze Leben ist eine To-Do-Liste

Sind wir eigentlich komplett übergeschnappt? Ich rede jetzt mal von “wir”, damit ich mich nicht wie ein einsamer Loser fühle. Und weil ich ziemlich sicher bin, dass Ihr das gerade genauso verbockt wie ich. Also: Ich fühle mich ständig unter Druck. Und zwar, weil ich noch so viel zu tun habe. Ich will nicht jammern, ich möchte auch viel zu tun haben, denn Langeweile hat mich als Kind schon genervt. Es geht vielmehr um das richtige Maß, wie so oft.
Jedenfalls ist mir letztens aufgefallen, dass in meiner wunderbaren elektronischen (auf allen denkbaren Geräten synchronisierten) To-Do-Liste so um die 200 Dinge standen. Und deswegen habe ich sie oft aufgemacht, mir gedacht: “Das schaffste jetzt eh nicht”, sie wieder ausgeschaltet und dann bei Facebook meine Zeit verschleudert. Bis mir aufgefallen ist, dass diese blöde To-Do-Liste überhaupt keine To-Do’s enthält. Oder zumindest nur wenige. Sie fungiert nämlich mehr als Merkzettel. “Nachschauen, ob Band XY eine neue CD gemacht hat”, “Buch XY kaufen von Autor Z”, “Kontaktlinsen-Kontrolltermin ausmachen” und so weiter. Nichts davon wirklich wichtig. Also habe ich all diese Dinge in eine andere Liste geschaufelt, und siehe da – ich fühle mich befreit. Denn jetzt sehe ich auf einen Blick, was wirklich wichtig und zu tun ist.
Für ungefähr 2 Wochen. Dann merke ich: Das Problem liegt viel tiefer in mir vergraben. Ich fühle mich nämlich immer noch gehetzt und so, als müsste ich etwas “abarbeiten”. Und als ich mir endlich mal die Zeit nehme, darüber nachzudenken, wird es ganz schnell klar: Mein Leben ist eine To-Do-Liste!
Das erstreckt sich auf alle möglichen Bereiche. Nicht nur auf E-Mail-Postfächer, die überquillen. Sondern vor allem auf die Bereiche, die eigentlich Spaß machen sollten. In meinem Kopf heißt es nicht: “Wie schön, ich habe noch 30 verschiedene Filme auf DVD, die ich mir ansehen kann”, sondern da donnert es: “Ich muss noch diese 30 Filme anschauen, wann soll ich das nur machen?”. Genauso ist es mit Musik – ich habe ungefähr 300 ungehörte (legal gekaufte) Titel in meiner iTunes-Bibliothek. Die landen in einer Wiedergabeliste und müssen “abgehört” werden, um meine gelegentlichen Hamsterkäufe zu rechtfertigen. Ich habe 87 ungehörte Podcast-Episoden auf dem iPod. 230 ungelesene Stories in “Pocket” auf dem iPad. Mein RSS-Reader platzt aus allen Nähten. Mein Kindle wartet ebenso auf meine Aufmerksamkeit wie meine externe Festplatte mit TV-Serien. Alles noch “zu tun”. Oder Bücher: Der Stapel neben dem Bett muss auch noch erledigt werden… Bin ich denn irre?
Letzten Endes gibt es einfach zu viel von allem. Zu viel Musik, zu viel Fernsehen, zu viele Blogs, zu viele Podcasts. Und zu wenig Mut, eine Lücke zu lassen. Dinge nicht zu hören, nicht zu sehen, nicht zu lesen. Und sich trotzdem gut zu fühlen. Ich muss einfach lernen, dass diese Art der Inbox niemals bei “0″ stehen wird – und dass das durchaus etwas Gutes ist.

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