Mein persönlicher Nachrichten-Boykott

schlaflos Lần cập nhật cuối: 31 Tháng Bảy, 2022

Keine Generation hatte bisher solch einen guten Zugang zu Informationen aus der ganzen Welt. Mittlerweile ist es selbstverständlich, über die amerikanische Innenpolitik genauso Bescheid wissen zu können wie darüber, welche Urvölker noch nie Kontakt mit der Zivilisation hatten und jetzt gerade entdeckt wurden. Wir sehen spektakuläre Helikopterbilder von Verfolgungsjagden, wir sehen Videos von in die Tiefe gestürzten Reisebussen, sind ganz nah dran wenn Fliegerbomben gefunden werden und natürlich bekommen wir auch die Rundum-Berichte über Attentate oder Amokläufe.
Ich selber bin Journalistin (ob ich das wirklich noch bin – dazu ein andermal mehr), mein Geschäft sollten eigentlich auch die Nachrichten sein. Und dennoch lehne ich sie immer mehr ab. Vieles will ich nicht wissen. Das laut zu sagen – oder hier zu schreiben – kostet mich Überwindung, denn schnell steht man dann als Ignorant da. Aber ich traue mich trotzdem: Es interessiert mich nicht.

Es gibt zwei Hauptgründe. Auch hier ist das „Grundübel“ wieder die Flut an Inhalten. Natürlich will ich wissen, wenn sich in Deutschland innenpolitisch etwas tut. Vor allem, wenn es mich selbst oder unsere Zukunft betrifft. Natürlich will ich auch international wissen, was politisch gerade los ist und welche Strömungen es gibt. Ich will die großen Zusammenhänge. Ich will all das, was mir hilft, die Welt zu verstehen. Alles andere: Weg damit. Auch wenn die Nachrichtensendung eigentlich 15 Minuten dauern sollte – oder 30 oder wie auch immer – ich will sie nicht bis in die letzte Sekunde vollgestopft haben mit so vielen Neuigkeiten wie möglich. Liebe Nachrichtenmacher – nehmt Euch doch lieber Zeit, die wichtigsten Nachrichten zu erklären! Hintergründe aufzuzeigen! Uwe Baltner hat in „Nettes Frettchen“ vorgeschlagen, den Brennpunkt in der ARD dazu zu nutzen, sich auf ein Thema der Nachrichten zu konzentrieren und dieses zu erklären. Eine wunderbare Idee. Und ein Zeichen dafür, dass auch andere Menschen ähnlich denken wie ich: Die Nachrichtensendungen bringen nichts.
Der zweite Grund: Vor allem wenn es um Schicksale geht, also um Unfälle, Attentate, Amokläufe und so weiter, geht es meines Erachtens nicht mehr um die Vermittlung von Nachrichten. Es geht um eine hysterische Emotionalisierung. Ich möchte wenn dann bitte sachlich informiert werden: Ort, Zeit, W-Fragen eben. Wie im Videotext. Kurz und knapp. Das reicht. Ich möchte keine Bilder sehen von Opfern mit Blut an der Stirn. Ich möchte nicht sehen, wie schwer verletzte Kinder in den Armen ihrer Eltern liegen. Ich möchte keine trauernden Überlebenden sehen. Ich möchte nicht wissen, was die Witwe zu sagen hat. Nicht nur, weil es mich traurig macht – sondern weil ich finde, dass es mich (und Euch!) nichts angeht. Das sind alles höchst private und lebensverändernde Augenblicke für die Beteiligten – und wir schauen mampfend zu. Das möchte ich nicht. Das hat aber für mich auch nichts mehr mit Nachrichten zu tun.
Früher gab es da zumindest meiner Erinnerung nach einen deutlichen Unterschied zwischen Privatfernsehen und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Heute sehe ich diesen kaum noch. Ich habe auch Verständnis für die Kollegen: Zum geschriebenen Text müssen nunmal Bilder gezeigt werden, das hat das Fernsehen so an sich. Und die „besten Bilder“ sind nunmal die, bei denen die Kamera nah dran war am Geschehen. Dennoch: Ich verweigere mich. Ich schalte ab. Ich informiere mich über andere Kanäle – über die wirklichen Nachrichten. Alles andere ist für mich ein Sich-Weiden am Unglück anderer. Schluss damit.

Nachtrag: @radiomachen hat mir diesen lesenswerten Artikel zum gleichen Thema empfohlen.

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